Paranoia prägte die Stimmung in der Drifthall. Niemand wusste genau, ob tatsächlich alle Hexen enttarnt worden waren. Mutter Guhnbarg war besonders schlecht gelaunt und schimpfte mit Rekja. Sie sei viel schlechter informiert als manch anderer Klan, insbesondere die Whar. Auch solle Rekja sich um die beiden (so vermutete man) verbliebenen Hexen in Hallwik kümmern. Und Cogur, eine berühmte Schmiedin östlich von Hallwik, sollten die Schicksalsträger ebenfalls aufsuchen, um Waffen für die Krieger zu organisieren.

Da ertönte Alarm. Ein Hjemskip, quasi ein großes Floß, von Palisaden umgeben, trieb steuerlos auf die Drifthall zu. Die Helden fuhren ihm entgegen und konnten es sicher vertäuen. Es gehörte Salvor Sirloke, eine der Tallfolk, die sich selbst die erfolgreichste Händlerin der Schlangensee nannte. Sie war die Schwester von Xisa, jener Kriegerin, die wenige Wochen zuvor beim Kampf am Turm zu Kekkell den Whar zum Opfer gefallen war.

Salvor berichtete, dass sie überfallen worden seien. Die Angreifer waren Piraten mit einem Schiff mit abgesägter Galionsfigur und einem aus den Farben verschiedener Klans zusammengenähten Segel. Ihr Anführer war wohl Asvard, der Mörder von Kudruns Kriegerfamilie, den die Schicksalsträger in der Stadt von Nirgendwo verschont hatten.

Salvor versprach, sich erkenntlich zu zeigen, würden die Angreifer ihrer gerechten Strafe zugeführt und ihre Waren wieder den Weg zu ihr finden.

Die Völv beschlossen derweil, die Petitionen fortzusetzen, da die Schicksalsträger vorübergehend zugegen waren. Als Nächstes stand die Petition der Whar an, die um Anerkennung als großer Klan mit vollen Stimmrechten baten. Und die Abstimmung fiel eindeutig zu ihren Gunsten aus, nachdem Bjørn bereits im Vorfeld mit allen Jarls verhandelt hatte. Lediglich Mutter Guhnbarg und die Hallharn stimmten erfolglos dagegen. Damit waren die Whar nun nicht nur ein großer Klan, sondern Bjørn war als Kojarl jetzt auch möglicher Anwärter auf die Position des Alljarls.

Doch Grimnir stand nicht still, und die Bedrohung durch die Hexen musste weiterhin bekämpft werden. Das nächste Ziel war Skeio, wo die Karte des Hexenkönigs und die Briefe von Ranveig nichts Gutes vermuten ließen.

Die Überfahrt verlief ruhig. In Skeio angekommen, wurden die Schicksalsträger von Raghild empfangen, der offenbar für den Hafen zuständig war und ihnen am liebsten sein restliches Getreide verkauft hätte.

Er wies ihnen den Weg zum Haus von Ranveig. Die hagere, ältere Frau, einst Wächterin der Völv, lud die Helden ein und bewirtete sie. In ihrer Hütte lagen überall Entwürfe ein und desselben Briefs, obwohl sie beteuerte, nur einen einzigen Brief im Jahr an Fyrkat zu schicken. War sie verwirrt, oder eine Lügnerin?

Die Schicksalsträger erkundeten die Siedlung, während Ranveig sie begleitete. Das ganze Dorf schien besonders auf sein Quellwasser stolz zu sein. Am Brunnen trafen die Helden auf den Gnom Mjall, den Goði des Ortes. Er bot ihnen sofort einen Krug des Wassers an, doch es schmeckte vollkommen gewöhnlich.

Bei ihren weiteren Erkundungen stießen die Helden auf allerlei Ungewöhnliches, aber nichts, was offensichtlich mit den Hexen zu tun hatte.

Ein abgebranntes Haus hatte einst einer Halblingsfamilie gehört. Die Familie war im Feuer umgekommen, nur ihr Kind soll überlebt haben.

Auf dem Friedhof stand ein Denkmal für Jarl Torkel, den Bruder von Berghild und einstigen Anführer der Tvar. Ove glaubte, hinter der Friedhofsmauer einen weißen Widder gesehen zu haben, in dem er den Geist Torkels erkannte. Er deutete die Erscheinung als Zeichen, dass die Tvar auf ihrer Seite standen.

An einem gepflegteren Grab begegneten sie Asa, die um ihre Schwester Ell trauerte. Sie vermochte nicht genau zu sagen, was geschehen war, berichtete aber, dass ihr Vater, Raghild, der Hafenmeister, gewalttätig geworden sei.

Im örtlichen Tempel, dem Haus der Zwillinge Gnak und Idin, trafen die Schicksalsträger erneut auf Mjall und seine Frau Skajah, Priesterin des Ortes.

Das Tor

Als die Helden nach belanglosen Konversationen im örtlichen Gasthaus einkehren wollten, ging die Sonne unter. Doch statt Dunkelheit legte sich ein seltsames rostrotes Leuchten über die Siedlung, das von oben herab und von außerhalb des Ortes zu kommen schien. Alle Einwohner, die sich im Freien befanden, wandten sich gemeinsam gen Süden und machten sich gemächlich und mit starrem Blick zum großen Holztor des Dorfes auf.