Zuhause in Farlanding gibt es einen Scherz. Sagt einer zum anderen: „Hab gestern Abend deinen Vater im Wald gesehen“, dann heißt das, er hat einen Riesen gesehen. Oder glaubt, einen gesehen zu haben. Sie sagen es beim Trinken und lachen, und beim zweiten Erzählen war der Riese größer, und beim dritten waren es drei. Bei uns wächst man mit diesem Scherz auf. Riesen zwischen den Stämmen, immer am Rand des Blicks, immer schon wieder weg.
Ich habe nie darüber gelacht. Denn ich weiß nicht, wer mein Vater war. Mich hat man im Wald gefunden. Das kommt bei denen meiner Sorte öfter vor, als irgendwer zugeben möchte.
Bei uns kommt der Wind von Norden, aus den Bergen des Turnfjall. Ich sitze an Uhlens Herdfeuer, mit gewärmtem Met in der Hand, und ich spüre ihn trotzdem. Am schlimmsten ist er im Winter. Und er bringt einen Geruch mit. Den Geruch von anderen. Einen, den ich erkenne und nicht erkennen sollte.
Fragt mich nicht, woher. Ich habe lange darüber nachgedacht und keine Antwort gefunden, die mir gefällt. Ich trage lange Ärmel. Nicht wegen der Kälte.
Ich fürchte den Tag, an dem mehr als Wind und Gestank aus dieser Wildnis kommt. Und ich weiß nicht, was schlimmer wäre: dass sie kommen. Oder dass einer von ihnen mich ansieht wie jemand, der etwas wiedererkennt.
- Odur von den Risa, an Bord der Grau, als ein Gespräch um Familien ging