Aber die Miniaturwelt zeigte noch mehr: Als Rekja und Siddhe sie erneut aktivieren, sehen sie Grimnir und verstörende Szenen. Eine Horde Mammuts im Norden, und ein gigantisches Etwas unter dem Eis. Den Hexenkönig, schwer gerüstet, ein grotesk grinsendes Schild in Händen, inmitten rostiger Wälder. Und in den Bergen ein Riese mit blauer Haut, ein Jötunn, seit Jahrhunderten nicht in Grimnir gesehen.

Auch im Obergeschoss fanden sich weitere Überraschungen. Fresken mit den Legenden der Vanir, aber auch prominent Mirgal, den Verräter, und Boða, die Verführerin. Eine Kiste barg einen silbernen Kopf, Augen geschlossen, den Mund zugenäht. Auch das, so glaubte zumindest Rekja, war Mirgal.

Und doch wirkte vieles falsch. Bücherregale voller Bücher, die nur aus Stein bestanden. Ein Arbeitszimmer voller Schriften, in bekannten Runen aber unbekannter Reihung. Nur Kudrun und Rekja meinten, sie entziffern zu können.

Doch sie sollten die nötige Zeit nicht erhalten. In der Ferne mussten die Helden mitansehen, wie ihr Boot plötzlich vom Wasser mit Feuerpfeilen bombardiert wurde. Gleichzeitig löste Hrolf, der es im Erdgeschoss endlich durch den eingestürzten Türbogen geschafft hatte, eine Falle aus. Hölzerne Gestalten erwachten homunkulusartig zum Leben und verwundeten ihn schwer. Xisa, die Hühnin, starb, ehe die Wesen zerstört wurden.

In höchster Eile ging es zurück zum Strand. Dort standen beide Boote bereits in lodernden Flammen, fast alle Gefährten tot oder im Sterben. Feuerpfeile prasselten auf den Strand, dazwischen triumphierende Krieger eines Klans mit unbekanntem Wappen, der Fratze eines Tieres, das niemand erkennen konnte. Doch auf dem Schiff erkannte Bjørn verstörend vertraute Gesichter: Männer und Frauen des Whar-Klans, die er noch als Jungen und Mädchen gekannt hatte. Damals trugen sie noch Wappen der Taube – und nicht das Banner von Räubern, die Expeditionen der Völv überfielen. Ihr Anführer Gulli.

Gemetzel am Strand

Wütend erschlugen die Helden die verbleibenden Whar-Krieger, die Rekjas Magie, Kudruns Tang, Oves Stab und Bjørns Äxten nichts entgegensetzen konnten. Doch der Sieg war bitter, und es blieb nur die restlichen Mitglieder der Expedition auf einem Scheiterhaufen aus den Überresten der Boote zu verbrennen. Ove meinte, die Gestalten der Walküren zu sehen, die heldenhaft Gefallene in die ewigen Hallen Thonirs trugen. Bjørn jedoch sah nur heimtückisch Ermordete, deren Leid allein durch Hel ein Ende finden konnte.

Gestrandet mussten die Verbliebenen – Kudrun, Rekja, Bjørn und Ove, Hrolf und das Mädchen Siddhe – ihre Reise zu Fuß fortsetzen. Am nördlichen Ende der Insel versprach die Siedlung „Nirgendwo“ Hoffnung auf Schutz und ein neues Boot.

Die Tage waren beschwerlich, doch die Helden lernten einander besser kennen. Kudrun war Erbin eines Königreichs. Rekja wurde als Waise von Hrolfs Familie aufgenommen. Ove suchte nach seiner Identität. Bjørn glaubte nicht an das glorreiches Ende im Kampf, sondern allein an Hel, die am Ende alles Leid beenden würde.

Eines Abends erblickten sie auf einer fernen Anhöhe das Licht einer Laterne. Doch als sie am nächsten Mittag den Ort erreichten, fanden sie nur verfallene Hütten und Skelette, die vor langer Zeit im Schlaf ermordet worden waren. Ein Sturm zog auf, und so erschien der Schutz dieser Hütten als eine gute Wendung des Schicksals, Zuflucht vor peitschendem Wind und schneidendem Sand.

die Siedlung

Aber alarmiert von einem Geräusch mussten sie erkennen, dass nicht nur der Sturm, sondern auch ein anderer Verfolger sie gefunden hatte: Aaron, der Halbork, einst Teil ihrer Crew, der Tage zuvor nach dem Angriff auf Hrolf über Bord gegangen war. Seine Gestalt nun grotesk entstellt, aufgequollen, vom Sandsturm zerfetzt. Untot.