Man erzählt sich, dass die Völv Völv (Person)
Weise Seherinnen, Hüterinnen der Geschichte und Prophezeiungen.
ihren künftigen Seherinnen eine Geschichte mitgeben, wenn sie sie ausbilden. Eine, die sie sich besser merken. Denn was die Zukunftsschauenden sehen, das ist nicht immer angenehm, ganz und gar nicht.Diese Völv-Lehrlinge, sie sollen ihrer Gabe vertrauen, so wie meine Mutter mir immer sagte, ich solle ihren raschen Händen vertrauen, die einen besseren Mann aus mir formten. Das Sehen, müsst ihr wissen, kommt wie Träume, aber nicht die guten. Naja. Lang ist’s her, vor der Zeit, als der Schnee noch nicht zu Eis ward, da war eine neue Völva. Sie hat in den Geschichten keinen Namen, also nenn ich sie einfach Meg, denn eine Geschichte über jemanden ohne Namen erzählt sich furchtbar schwer.
Meg also, sie konnte sehen. Und sie hatte einen Traum von einem Mann, einem schönen Mann (aber denkt dran, das ist keiner von den guten Träumen, also macht euch keine Hoffnungen). Und ihr Bauch sagte ihr, dieser Mann werde für etwas Schreckliches verantwortlich sein. Doch dieser Teil des Traums kam nur das eine Mal, und vielleicht vergaß Meg ihn, oder sie passte einfach nicht auf. Wohl weil sie noch nicht zu sehen gelernt hatte.
Jedenfalls trifft sie Jahre später diesen Mann und findet ihn gut, die Sorte Mann, der eine junge Völva vertrauen mag. Er wird ein Seerguard. Und, die Wahrheit gesagt, ich glaub nicht, dass sie ihn je als denselben aus ihrem Traum erkannte.
Und … ich sag nicht, dass Meg sich in ihn verliebte, denn die Völv können nicht lieben. Aber sie mochte ihn, gut genug. Und als sie zu träumen begann, dass er sterben würde, ertrunken auf irgendeinem sinnlosen Raubzug, da sorgte sie sich krank. Nun würden die meisten Völv bei so etwas viel beraten und abwägen und sichergehen, dass sie das Schicksal des Verdammten ganz verstehen. Denn, und verzeiht, wenn ich die Geschichte ein wenig verderbe, was, wenn dieser Mann sterben soll? Was, wenn es besser für uns alle ist?
Aber Meg tat nicht, was sie tun sollte. Stattdessen hielt sie den Mann bei sich, fern von jenem verdammten Raubzug und dem Ertrinken, und rettete ihm wohl das Leben. Und doch, und hier wird’s verzwickt, wie immer bei den Völv und ihrem … naja … Sehen, dieser Mann zog auf seinen nächsten Raubzug, weil Meg nicht mehr von seinem Tod träumte. Mörderische Raubzüge waren also wieder sicher. Zumindest für ihn.
Auf jenem Zug erschlug er einen Mann. (Ja, ja, das passiert auf jedem Raubzug, ich bin nicht dumm!) Und dieser Erschlagene tat, weil er nun tot war, etwas Schlimmes: Er war nicht mehr da, um später jemanden zu töten, den er wirklich hätte töten sollen.
Und der Mann, der nicht getötet wurde, weil ein anderer getötet wurde von einem, der hätte getötet werden sollen, der wurde zu einer üblen Geißel unserer Welt. Ja, ihr habt’s erraten, so wie ich beim dritten Hören: Es ist der Hexenkönig Hexenkönig (Legende)
Unsterblicher Krieger und gefürchteter Herrscher der Eisenwald-Hexen. Selbst tapferste Krieger zögern bei seinem Namen.
. Der verfluchte Hexenkönig!Hätte Meg ihr Herz nur ein wenig gehärtet und den Mann, der sterben musste, sterben lassen, dann hätte diese Welt keinen einzigen Hexenkönig. Und darum, sagt man, sorgen sich die Völv so sehr um das, was sie sehen, und zernagen sich die Nägel darüber. Denn sie sind immer nur einen Fehler von einem Fehler entfernt. Und manchmal lässt sie das zurück mit dem, was ich die »gefährliche Entscheidung« nenne.
- erzählt von einem Krieger