Gegen eine Hexe zu kämpfen ist nicht anders, als gegen jeden anderen Magier zu kämpfen. Sie hat furchtbare Zauber und einen dünnen Hals. Schlagt sie schnell, ehe sie zu Atem kommt, und die Sache ist erledigt. Das ist der leichte Teil. Den lehrt euch jeder Waffenmeister.

Der schwere Teil ist, sie überhaupt vor sich zu haben.

Denn was eine Hexe gefährlich macht, ist nicht ihr Feuer. Es ist, dass sie ein anderes Gesicht tragen kann, und dass sie andere führen kann wie ein Gespann.

Der Mann neben euch in der Schildmauer, den ihr seit Jahren kennt, dessen Kinder ihr beim Namen kennt: Selbst er kann das Werkzeug einer Hexe sein, ohne es selbst zu wissen. Er trinkt mit euch, er lacht mit euch, und nachts träumt er Dinge, die nicht seine sind. Und irgendwann, wenn es der Hexe passt, schiebt er euch ein Messer in den Rücken. Nicht aus Hass. Er ist nur die ausführende Hand.

Die freundliche Frau am Wegkreuz, die den kürzeren Pfad kennt, weil ihre Mutter aus der Gegend stammt: Sie kann die Hexe selbst sein. Der Pfad ist wirklich kürzer. Er führt nur nicht dorthin, wohin ihr denkt.

Fragt mich nicht, woran ihr das erkennt. Ich habe keine Antwort, die euch gefällt. Unter dem roten Tuch und all dem Silber sind sie lang und blass und dünn wie Spinnen, und genau darum tragen sie das rote Tuch und das Silber.

Zwei Dinge aber will ich euch mitgeben.

Das erste: Was sie brechen, ist nicht der Leib, es ist der Wille. Und wer von Willen lebt, den trifft nichts härter als einer, der nicht nachgibt. Ich habe Hexen an einem Bauern scheitern sehen, der schlicht nicht tat, was man ihm sagte. Das ist leider keine Kunst, die man lernt. Es ist eine, die man lebt, jeden Tag, an kleinen Dingen, lange bevor es darauf ankommt.

Das zweite: Was den Bäumen einmal gegeben wurde, kommt selten zurück. Verliert ihr einen Freund an sie, dann verliert ihn nicht ein zweites Mal, indem ihr so tut, als sei er noch euer Freund.

Seid stets wachsam.

  • Geschichten von Luta, Göttin des Willens, wie es die Lutan an ihren Feuern erzählen