Der eingeschüchterte Zwerg unter der Holzbank war ein Thrall der Hexen. Sein Gesicht vernarbt, die Zunge entfernt, und noch immer war er tief verängstigt. Den Helden gelang es nicht, ihm Hilfreiches zu entlocken.
Derweil machten sich zwei Huldra, katzenartige, halbnackte Waldwesen, über den zappelnden und stöhnenden Menschen her, der noch immer an einem der Äste hing. Bjørn gelang es, sie zu verscheuchen. Sie verschwanden in einem Baum, ähnlich wie zuvor der Hexenkönig. Doch war der Mann tatsächlich nicht lebendig sondern untot, und Ove und Bjørn konnten ihn nur noch von seinem Schicksal erlösen.
Kudrun erfuhr von ihrem Großvater, der gefangen ihn ihrem Siegelring ohnehin alles kommentieren müsste, von einem Ritual. Würde man dreimal um den Kessel der Hexen tanzen, während man ein Stück Eisen in ihm versenkte, und seinen eigenen Namen sang, so würden die negativen Effekte des Eintopfes aufgehoben. Und so taten sie und Ove genau das, und aßen und waren ausgeruht und gestärkt. Doch Rekja und Bjørn trauten dem nicht und verzichteten, so erschöpft sie auch waren.
Weiter ging es, über gefährlich schwankende Hängebrücken (auf denen Rekja einmal den Halt verlor), über Plattformen, vorbei an lethargischen Thralls und verängstigten Tussern. Auf einer fanden die Schicksalsträger sogar zwölf Fleischsäcke, die wie Zecken an den Bäumen hingen, in denen offenbar neue, verwandelte Hexen heranreiften. Sie zerstörten sie alle.
Und so kamen die Schicksalsträger schließlich auf einer großen Plattform weit oben in den Wipfeln an. Dort vollzogen zu diesem Zeitpunkt drei rotgewandete Hexen ein Opferritual, umgeben von einer Horde tanzender Thralls. In ihrer Mitte eine große, dunkle Wurzel aus Eisenholz, und eine von Ranken aufgespießte, stöhnende, sterbende Gestalt. Das Blut zahlloser Opfer hatte den Ort über Jahre hinweg dunkelbraun, fast schwarz verfärbt.
Die Helden zögerten nicht. Kudrun ließ Ranken aus dem Boden sprießen und hielt damit alle auf der Plattform gefangen. Rekja machte sie zugleich langsam und reaktionsschwach. Ove und Bjørn griffen an, mit Faust und Axt, und so fielen die Hexen in kürzester Zeit – wenn auch nicht, bevor sie Kudrun mit ihrem verfluchten Kleid erneut gegen ihre eigenen Verbündeten kämpfen ließen.

Als die letzte Hexe fiel, endete das Ritual und das von Wurzeln durchdrungene Opfer schien geradezu leergesaugt zu werden, bis nur noch eine vertrocknete Hülle zurückblieb, leicht und verdörrt wie Stroh. Bjørn ließ seine Wut an der schwarzen Wurzel aus, doch Kudrun, die auf merkwürdige Weise mit ihr verbunden zu sein schien, spürte jeden Schlag.
Und so konnten sie nichts weiter tun, als weiter zu ziehen, wenn auch in Gewissheit, dem bist dato schlimmsten Treiben der Hexen hier ein Ende gesetzt zu haben.
Auf der höchsten der Plattformen oben in den Wipfeln der Bäume fanden sie ein Nest der Huldra. Dort verzehrten die Katzenwesen ihre Beute – tote Hasen, Eber und anderes Getier – auf blutigste Weise. Doch eine der Huldra, das Oberhaupt vielleicht, mit Namen Shulla, sprach zu Kudrun, und vieles wurde klarer:
Der Wald, so sagte sie, sei nicht auf der Seite der Hexen. Erst das Ritual hätte ihn unterjocht. Die Huldra, sie seien Kreaturen und Hüter des Eisenwaldes und betrachteten die Rotgewandeten mit Argwohn. Sie boten einen Eid der gegenseitigen Hilfe an, den die Helden annahmen. Zwar würden sie den Schicksalsträgern nicht sofort helfen, wenn diese sich dem König entgegenstellten. Aber ebenso wenig würden sie ihm helfen, und auch der Wald selbst sei nun, dank des unterbrochenen Rituals, wieder neutral.
Ermutigt kehrten die Helden um. Der Wald verriet Kudrun nun, wo sich der Hexenkönig befand, und so wurde er auch bald gefunden. Er war mitten im Gespräch mit zwei Hexen und einer riesigen schattenhaften Gestalt, die die Züge der Matronin trug.
Noch im Verborgenen lauschten die Schicksalsträger, und so wurde endlich die Wahrheit offenbar: Die Matronin selbst war eine Jötunn. Sie war niemand anderes als Bo∂a selbst.
Aber da ertönte über ihnen ein lautes Kreischen. Der Ratatoskr.
Die schattenhafte Gestalt verpuffte in einen glitzernden Ascheschauer die alles und jeden auf dem Platz berührte und verschmolz mit dem hier überall lauernden Nebeln. Hoch über den Bäumen hier waren weiße Netze ab zu erkennen, wie von riesenhaften Spinnen.
Doch es blieb keine Zeit. Der Kampf begann.