Ist es, weil sie uns erretteten, als der Hexenkönig erstmals erschien, dass wir so großes Vertrauen in die Völv setzen? Ich frage mich das bisweilen, doch wage nicht, es meiner Schwester gegenüber zu erwähnen! Und wir teilen doch sonst alles! Ja, ich weiß, es heißt, die Völv hätten unser Bestes im Sinn. Dennoch sorge ich mich. Wer behauptet, er allein kenne die Wünsche und Begehren der Götter, der beunruhigt mich. Besser wäre es, der Steinhof wandelte noch unter uns und sagte uns selbst, was er von uns verlangt.

  • Jarl Torkel der Tvar

Man erzählt sich, Torkel habe diese Worte einmal zu später Stunde geäußert, bei einem Trinkgelage unter Vertrauten, und bald darauf bereut. Seine Skalden aber bewahrten sie auf, wie Skalden es mit allem tun, was zu gut ist, um es zu vergessen. Und so wandern sie nun durch Grimnir, geflüstert eher als gesungen, denn niemand möchte eine Völva zum Feind haben.

Manche Krieger nicken, wenn sie die Worte hören, und trinken schweigend. Andere schütteln den Kopf und erinnern daran, was die Völv alles bewirkt haben: die Warnungen vor dem Hexenkönig, die Vermittlungen zwischen zerstrittenen Klans, die Deutung der Runen, die manchem Helden sein Schicksal erhellt hat.

Doch eine Frage bleibt und wird in diesen dunklen Tagen nur lauter: Was, wenn die Götter selbst schweigen? Was, wenn der Steinhof nicht mehr spricht, und jene, die vorgeben, seine Stimme zu hören, nur noch das eigene Echo vernehmen?