Die schlurfenden Spuren der Untoten führten geradewegs auf das dünne Eis des Sees, bis sie sie alle in einem Loch im Eis endeten, eingebrochen in die dunklen Tiefen. Am anderen Ufer würden die Helden später den Ort, finden an dem die Toten wieder ans Ufer traten und unbeirrbar weiterzogen, gen Rockpike.
Die Siedlung am Nordufer war, wie schon jene zuvor, bis auf ihre Grundmauern niedergebrannt, doch ohne Spuren von Leichen. Diese fanden sich wenig später auf einer Lichtung im nahen Wald: Dutzende, auf grausame Weise entstellt. In ihrer Mitte ragte der gewaltige Stumpf einer Eisenborke. An den Ästen ringsum hingen weitere Körper, viele in schwerer Rüstung und weißen Mänteln, erhängt und geschändet.
Aber unter ihnen war noch am Leben. Lan, Kapitänin der Schneemäntel, umgeben von ihren gefallenen Gefährten. Trotz ihrer Rettung blieb ihr Blick von Misstrauen erfüllt, denn in ihren Augen glichen ihre Befreier jenen Whar, die ihr Dorf vernichtet und ihre Familien getötet hatten.
Die Toten wurden dem Feuer übergeben, auf dass sie nicht wiederkehren mochten. Einen jedoch ließen die Gefährten am Leben, um das Wirken der finsteren Kräfte zu ergründen. Und in der Nacht erhob auch er sich, ohne sichtbaren Anlass, und wandelte stumpf in dieselbe Richtung wie all die anderen zuvor. Skurr, der noch immer als Gefangener mitgeführt wurde, entlockten sie den eigentlichen Grund: Sie waren auf dem Weg zu einem Helmaul, Eingang zur Unterwelt, Pfad zu Hel.
Am folgenden Tag setzten sie ihren Weg fort, doch war das Wetter ihnen feindlich gesinnt. Eisiger Wind schnitt durch Fleisch und Fell, Schnee raubte die Sicht, und der Pfad, der sich am finalen Aufstieg zur Festung an den Berg schmiegte, war schmal und tückisch. Ein falscher Schritt hätte den Tod bedeutet.

So banden sie sich mit Seilen aneinander, und es war ihr Glück, denn schon die erste Brücke die sie überschreiten mussten war präpariert und brach unter ihnen fast entzwei. Die Kälte zehrte an ihren Kräften. Whar-Krieger griffen sie an, und nur die mysteriöse Kraft in Oves flammenden Fäusten hielt die erstarrende Kälte für kurze Zeit fern.
Auf einer weiteren Brücke hielten sechs Späher der Whar Wacht. Da erhob Kudrun ihre Stimme, durchdrungen von arkaner Macht, und sprach Worte, die keiner verstand. Unter ihrem Donnern löste sich Schnee von den Hängen, und eine Lawine verschlang mehrere der Wachen, während die übrigen flohen.
Die unerbittliche Kälte trieb auch die Gefährten weiter, und sie drängten darauf, den Aufstieg zu vollenden. Alle Gedanken an Heimlichkeit mussten sie fahren lassen. Nur noch das Verlangen nach Wärme leitete sie. Und schon von fern sahen sie das Feuer, das auf dem Felsplateau unterhalb der Festung brannte.
Als sie es erreichten, wurden sie bereits empfangen: von vielen gespannten Bögen, einem gewaltigen Wolf und einer Frau mit hartem Blick. Athils, Schwester Gullis, die Jarlin des Whar-Klans.
An Kampf war nicht zu denken. Doch auch Athils wollte sie nicht töten, glaubte sie doch, dass ihre Herrin Hel ihnen Bjørn geschickt hatte — Bjørn der ihnen den Glaube einst als Prediger gebracht hatte, und ihnen nun im Kampf um die Festung der Baendur beistehen würde.

So sprachen Athils und Bjørn lange miteinander, und die Wege des Whar-Klans wurden klarer. Hel hatte ihnen befohlen, ein Fort zu errichten, wo sie Getreide und Nahrung fanden — jenes Fort, in dem Gulli vor wenigen Wochen fiel. Diese Vorräte trugen sie durch verborgene Wege der Unterwelt, die nur ihre Wölfe kannten, bis an den Fuße von Rockpike, um die Belagerung zu ermöglichen. Ihr Ziel war es, den Hexenkönig zu schwächen, dem die Baendur Untertan waren, und um sein Eisenholz zu vernichten, wo immer es wuchs.
Und Athils fragte, ob sie im kommenden Kampf auf die Helden zählen könne. Zugleich versprach sie Bjørn, ihm eine Unterredung mit Hel zu gewähren. Und da seine Welt ins Wanken geraten war und er nicht sehnlicher wünschte als den Willen seiner einstigen Herrin zu verstehen, die ihm jetzt so fremd geworden war, konnte er dieses Angebot nicht ausschlagen.
So ruhten sie am Feuer, und eine letzte Nacht lag vor ihnen, ehe der Kampf um Rockpike beginnen würde.