Jede Skaldin kennt das Lied vom letzten Hafen. Man singt es leise, wenn das Schiff die vertrauten Gewässer verlässt und der Nebel die Küste verschluckt, die man kannte. Es hat keinen festen Text, jede Crew ist anders, jede Skaldin singt ihre eigenen Worte, aber die Melodie ist immer dieselbe. Langsam, wie das Schaukeln eines Langschiffs bei ruhiger See.

Als ich jung war und zum ersten Mal mit Skuti segelte, sang die alte Herdis es für uns. Ich erinnere mich an ihre Stimme, so rau wie die aufgewühlte See. Sie sang davon, dass jeder Hafen, den man verlässt, immer kleiner wird, bis er ganz verschwindet. Und dass der nächste Hafen noch nicht existiert. Dass man ihn erst erschafft, indem man dort ankommt.

Heute singe ich es für euch. Der Nebel kam und ging, und wir alle schliefen, und als wir erwachten, war er fort. Aber ihr nicht. Ihr sitzt da, die Augen offen und doch leer, und nichts, was wir tun, bringt euch zurück. Hrolf hat geflucht und Toki hat euch geschüttelt. Nichts hat geholfen.

Und ich singe das Lied vom letzten Hafen. Nicht weil ich glaube, dass ihr mich hört. Sondern weil ich nicht weiß, was ich sonst tun soll.

Und weil Herdis mir einmal sagte: Wenn jemand sich verirrt hat, gib ihm etwas, dem er folgen kann.