27. Oktober 2018

Togrims Tagebuch, Auszug 11

Alturiak 14, 1494 DR

Gilchrist wird immer noch gefangen gehalten. Der Duke lässt seinen Einfluss spielen, und kann immerhin erreichen, dass wohl nichts Schlimmeres droht; trotzdem will der Richter unseren Halbling noch nicht freilassen bevor er ihn verhören kann. Und die Mühlen der Justiz mahlen hier wohl eher langsam. Nachdem wir nichts weiter erreichen können, beschließen wir unsere Reise nach Norden fortzusetzen.

Wir brechen Richtung Westbridge auf. Die erste Tagesreise verläuft ereignislos.

Alturiak 15, 1494 DR

Als wir unsere Reise fortsetzen kommen uns Wanderer entgegen. Sie erzählen, dass sie aus Triboar geflohen sind, weil ihre Stadt von Feuerriesen niedergebrannt wurde (nachdem sie auf dem Marktplatz ein riesiges Loch gebuddelt haben). Niemand weiß wieso.


Gegen Abend erreichen wir Westbridge. So klein, dass man es kaum Dorf nennen kann, aber immerhin gibt es eine gemütliche Tarverne (das Harvest Inn), mit einem gut gelaunten Halbling names Herivin als Wirt. Nur die Wanddekoration verstört uns ein wenig: Auf mehreren Simsen stehen säuberlich aufgereiht selbstgeschnitzte Holzfiguren in diversen erotischen Posen. Der Wirt – offenbar stolz auf seine Kreationen – versucht uns welche zu verkaufen. Während ich noch überlege wie man das Angebot möglichst höflich ablehnen könne, kauft Duke einfach die ganze Sammlung. Vermutlich für seine Patio…


Wir besprechen die Pläne für den nächsten Tag, was sich als sehr hilfreich herausstellt. Ich hatte fälschlicherweise verstanden, dass Duke den Drachen im Kryptgarden-Wald im Auftrag seines Zauberer-Bekannten umbringen sollen, worauf ich mich eigentlich nicht so sehr gefreut habe. Stattdessen stellt Duke klar, dass wir den Drachen lediglich um Hilfe bitten sollen, mit der Vermutung, dass er uns nützliche Information für unsere Kampagne gegen die Riesen – die Erzfeinde der Drache – liefern könnte. Das klingt nicht ganz so schlimm.

Alturiak 16, 1494 DR

Der Duke weiht mich in seine Pläne für seine erotische Kollektion ein: Er hat über Nacht eine der Figuren geschwärzt, und glaubt sie dem Drachen als pures Gold anpreisen zu können. Er bittet mich ihn bei seiner Finte mit etwas Magie unterstützen. Ich stimme etwas skeptisch zu…


Wir brechen auf zum Kryptgarden-Wald. Was erst wie ein normaler Wald aussieht, wird schnell zu einem dichten Urwald, komplett mit verfallenen Zwergenruinen und dichtem Unterholz. Die meisten von uns sind etwas angespannt, aber Lilleni fühlt sich hier sichtlich wohl.

Als wir nach einigen Stunden Wanderung eine Wegbiegung umrunden, sind wir plötzlich mit einem fast hirnverknotenden Anblick konfrontiert: Es ist als stünden wir vor einer Weggabelung, aber alle Wege führen in die gleiche Richtung. Als wären sie irgendwie überlagert. Wir fürchten, dass wir vor einem Portal ins Feywild stehen.

Das heißt, der Duke scheint nicht wirklich zu fürchten. Stattdessen stürmt er völlig fasziniert auf das Portal zu; Ean versucht erfolglos ihn zurückzuhalten. Er verschwindet im Portal, und das Portal verschwindet mit ihm. Vor uns liegt ein ganz normaler Waldweg. Ohne den Duke.

Wir warten, in der vagen Hoffnung, dass der Duke zurückkommen könnte, aber auch Stunden später fehlt von ihm jegliche Spur. Unsere Hoffnung schwindet.

Wir beschließen unsere Suche nach dem Drachen fortzusetzen. Um dem Duke zu erlauben uns nachzufolgen – solle er jemals seinen Weg aus dem Feywild finden – beginne ich eine Spur duftenden Käses auszulegen, als sich plötzlich 100 Meter entfernt ein neues Portal öffnet. Und wer stolpert heraus: Der Duke. Noch am Stück, aber sichtlich angeschlagen, mit diversen Verletzungen und Schrammen.


Wir setzen uns an einen großen Felsen und Duke berichtet von seinen Erlebnissen. Das Feywild scheint kein angenehmer Ort zu sein; er berichtet von Eidechsen mit Stacheln statt Zähnen, winzigen aggressiven Vögeln, dornigem Gestrüpp, verwirrenden Landschaften,

ALS PLÖTZLICH

DER

VERDAMMTE

FELSBROCKEN

BLINZELT.

Was wir für einen Fels gehalten haben war tatsächlich der Kopf von Old Gnawbone! Ich wusste nicht das Drachen so groß werden können…

Sie hätte uns erwartet, sagt sie, während wir mehr oder weniger erfolgreich versuchen unsere Fassung wiederzuerlangen. Und sie würde gerne wissen, weshalb er uns nicht gleich auffressen sollte.

Ich versuche sie zu überzeugen, dass wir nützliche Verbündete gegen die Riesen sein könnten. Und dass die Riesen nicht – wie er behauptet – völlig ungefährlich wären, sondern verstanden haben, dass sie die Monolithen als Waffen gegen die Drachen einstetzen können. Und da zeigt zeigt sich Old Gnawbone plötzlich kooperationsbereit.

Das Ungetüm berichtet uns, dass sie mit Hilfe von Spionen einen möglichen Verbündeten für uns ausgemacht hat: Harshnag – selbst ein Frostriese und Mitglied der Grauen Hand – könnte uns möglicherweise behilflich sein. Nur mit ihm könnten wir den Weg zum Tempel mit dem Namen Auge des Allvaters finden. Dort würden wir mehr erfahren können.

Duke versucht sein Holzfiguren-Gambit, aber ich traue mich nicht ihn zu unterstützen. Der Drache ist sichtlich verärgert, schleudert den Duke zurück, und es sprießen plötzlich Dornenhecken aus dem Boden. Wir sehen nicht mehr wo wir hergekommen sind. Offenbar hat Old Gnawbone weitgehende Kontrolle über diesen Teil des Waldes.

Dann beruhigt er sich aber wieder, und lässt uns tatsächlich davon ziehen. Zum Abschied gibt er uns noch ein seltsames Artefakt, mit der Bitte es doch irgendwo in Waterdeep zu platzieren. Ich lege es in meine (nun fast leere) Käsekiste.


Nachdem wir etwas Abstand zum Nest des Drachens gewonnen haben, schlagen wir unser Nachtlager auf.

Alturiak 17, 1494 DR

Offenbar haben wir unweit eines Lagers von Barbaren übernachtet. Wir beschließen ihnen einen Besuch abzustatten.

Die Barbaren sehen recht freundlich aus. Ihre Anführerin ist ein Halbork namens Sharo, die in der vielleicht größten Überraschung dieses ohnehin ausreichend überraschenden Waldes behauptet, Dukes Großmutter zu kennen!

Wir es sich unter Barbaren ziemt wird dann aber erst einmal gekämpft, scheinbar kann man sich sonst nicht so Recht über den Weg trauen… Duke und Sharo liefern sich einen spannenden Faustkampf, den Duke trotz aller „moralischer“ Unterstützung knapp verliert (und obwohl er dabei zu meiner Verwunderung offenbar ein magisches Schild beschworen hat – wie auch immer er das gelernt hat).

Trotzdem zeigt sich Sharo recht beeindruckt, und nimmt Duke erst einmal zur Seite. Wie wir später erfahren ist sie wohl die Tochter von Dukes Großmutter väterlicherseits (und damit dann Dukes … Schwipptante?) Sharo lädt Duke ein sie zu ihrem Stamm nach Griffon’s Nest zu begleiten, wo er die Chance hätte mehr über seine Familie zu erfahren. Duke willigt ein, nachdem er uns vorher ausführlich über seinen genauen Familienstammbaum berichtet.

Wir verabschieden uns, und beschließen erst einmal nach Westbridge zurückzukehren. Vielleicht ist ja Gilchrist inwischen freigekommen?