Das wandernde Emporium

Lesedauer ~ 8 Minuten · 19. Dezember 2020

Sind wir da wirklich einen guten Handel eingegangen? Unser Teil der Abmachung scheint auf den ersten Blick nicht zu viel verlangt. Einfach einen Termin im Spa ausmachen. Nicht sieben Kinder opfern, keinen Drachen bezwingen oder ähnliche Schwierigkeiten. Dafür bekommen wir dann einen Herzstein. Und wir erfahren vielleicht sogar, wie wir Ralzala noch etwas helfen könnten. Klingt gut. Vielleicht zu gut. Aber wir haben keine andere Wahl und auch keine besseren Ideen. So können wir Lulu helfen, sich zu erinnern und so vielleicht irgendwie Elturel schlussendlich befreien und Baldur’s Gate vor einem ähnlichen Schicksal bewahren.

Lulu

Wir machen uns zurück auf den Weg zum Fahrzeug. Lulu kommt uns schon aufgeregt entgegen. Mondfarbe, des Einhorn, hat ihr etwas gezeigt. Es ist wichtig. Sie muss es uns sofort zeigen. Sie kann sich erinnern! Spanned! Lulu strengt sich an, konzentriert sich auf etwas. In meinem Geist sehe ich ein Bild, erst schemenhaft, dann deutlicher. Große, weiße Flügel, mit langen, silbrig glänzenden Federn an einer Frau - ein Engel. Eine wohltuende, tiefe Stimme, voll von Autorität und Verbindlichkeit. Der Engel spricht in meine Richtung - ist es meine Richtung? Der Engel spricht “Hallo, Lulu, ich bin Zariel, von Celestia” - dann bricht das Bild plötzlich ab. Die Erinnerung ist vorbei. Lulu will versuchen, sich an noch mehr zu erinnern.

Sending Stones

Veil wendet sich mit ihrem Ring nochmal an Liashandra, fordert die Freilassung von Ketis’ Vater, nachdem wir den Dämonenschreck vernichtet haben. Sie bekommt keine Antwort, ehe einige Zeit vergangen ist. Es habe etwas gedauert, die Logistik abzuwickeln. Nalos habe sich, gegen einen gewissen Preis, freiwillig ihrer Sache angeschlossen. Zu klären war noch, wie dieser Preis zu uns kommen sollte. Aber man hofft, er fände schon bald den Weg zu uns. Damit endet dann die Nachricht aus dem Ring auch wieder. Wir sind gespannt.

Hier in Avernus schwingt das Wetter häufig um. Seit wir den Wald verlassen haben, herrscht wieder Hitze, die das Atmen schwierig macht. Wir sollten aufbrechen. Im Fahrzeug ist die Temperatur erträglich, wenn auch nicht angenehm. Draußen ist die Sicht schlecht, die Luft wabert vor Hitze. Wir halten nicht an, unser nächstes Ziel ist das wandernde Emporium. Die grobe Richtung kennen wir. Wir fahren vorbei an Stock und Stein, in der Ferne sehen wir Gestalten - oder doch nur Steine und Stöcke? Ein gigantischer Schwarm Fledermäuse labt sich an den Resten eines Schlachtfeldes. Sie bemerken uns. Bevor sie an uns Interesse finden, sind wir schon viel weiter gefahren. Die Sicht ist noch immer schlecht. Für einen Moment sieht es aus, als steuerten wir auf einen Felsen zu. Ich weiche aus, das Fahrzeug kommt ins Schlingern. Es gibt keinen Felsen, nur eine Täuschung der Sinne, ich bekomme das Fahrzeug wieder in den Griff. Beim rasanten Manöver jedoch hat unser Fahrzeug einen Schaden genommen, ein klaffendes Loch lässt den Blick von den Pedalen bis hin zu den Maschinen zu. Aus dem Loch kommt enorme Hitze. Wir müssen halten, den Schaden reparieren. Ich repariere den Schaden, die anderen steigen aus dem Fahrzeug. Mittlerweile ist es drin so heiß wie draußen. Die Arbeit am mir unbekannten Gefährt ist so noch anstrengender, als sie schon schwierig ist. Nach einer Stunde schweißtreibender Reparaturen gelingt es mir, etwas von dem Schrott, den Veil aus dem Wrack Sasilas’ Fahrzeug aufgesammelt hat, notdürftig als neue Verkleidung der Maschinen zu befestigen. Das sollte bis auf Weiteres halten. Auch draußen ist es nicht angenehmer. Wir fahren weiter.

Ketis übernimmt das Steuer, ich ruhe mich aus. Wir fahren auf Berge zu. Oder von ihnen weg? Wir haben sie im Rücken, und dennoch scheinen sie uns näher zu kommen. Wir fahren weiter, bis wir auf eine Statue stoßen. Diesmal kein Zwerg. Ein Tiefling steht hier, in voller Rüstung und mit grimmigem Blick. Seine Hand ist ausgestreckt, als wolle er in eine Richtung deuten. Er deutet in die Ferne, auf den Kamm eines Hügels. Dort steht eine weitere Statue, eine kleinere. Schwer zu erkennen. Und wie sich hier die Berge und Wege verhalten, sicherlich auch schwer zu erreichen. Fyron dreht den Tiefling, so dass er weiter in unsere Nähe zeigt. Und siehe da: die andere Statue folgt der deutenden Hand des Tieflings! Wir neigen die Statue, so dass sie gleich zu uns deutet. Nun erkennen wir die andere Statue. Es ist ein Halbling, mit wehendem Umhang. Er wirkt sehr lebensecht und meisterlich gearbeitet. Ich erkenne keine Spuren von Wergzeugen. Auch er deutet mit seiner Hand. Folgt man dieser, findet man einen großen, bulligen Ork. Wir neigen auch diesen und kommen so einer weiteren Staue näher. Wir wiederholen das Spiel, jede Statue scheint auf eine weitere zu zeigen. Ein nicht enden wollender Vorrat an Statuen. Seltsam. Wir nehmen eine der Statuen mit, den Halbling. Der ist am einfachsten zu transportieren. Mir gefällt sein Umhang.

Wir brechen wieder auf, fragen unsere Karte nach dem Weg zu Mahadis wanderndem Emporium. Nach etwas mehr Irrfahrt gelangen wir schließlich dort an. Wir finden die uns schon aus Baldurs Gate bekannte Zeltstadt wieder, sie ist gut besucht. Unser Fahrzeug stellen wir zu den zahlreichen anderen Fahrzeugen. Wir suchen - und finden - Mahadi. Nach etwas freundlicher Unterhaltung, ein paar Erfrischungen und einer Führung durch die Zeltstadt geleitet er uns zum Höllenrausch, wo wir den Termin für die Rote Ruth vereinbaren sollen. Natürlich ist Mahadi auch der Besitzer des Höllenrausch, wie er uns wissen lässt. Wir sollen uns ruhig auch die restlichen Angebote und Kuriositäten des wandernden Emporiums ansehen. Das Festmahl sei sehr zu empfehlen.

Amnizu Fhet’Ahla

Wir stoßen auch auf Fhet’Ahla, einen großen Teufel, mit erstaunlichem Wissen über uns und unsere Reisen. Hier könnten wir mehr über die Personen erfahren, die Fyron sucht. Gegen einen Preis, versteht sich. Außerdem empfangen wir hier ein Paket, adressiert an Veil. Darin ist, nebst zehn kostbarer Seelenmünzen, eine kurze Notiz, offenbar von Ketis’ Vater: Danke. Wir machen uns auf den Weg, die Angebote des Marktes hier zu erkunden. Ketis möchte eine Tätowierung, für ein paar Seelenmünzen. Mir ist nicht wohl dabei, damit Handel zu treiben. Schlimm genug, dass wir sie als Antrieb für unser Fahrzeug brauchen, doch ihnen auch noch ihren Wert als Münzen zuzusprechen, das taugt mir nicht. Nicht, wenn man bedenkt, woraus sie gemacht sind. Bei einer Barbierin erfahre ich mehr über die Statuen. In der Nähe haust eine Medusa, die ihre arglosen und weniger arglosen Opfer zu Stein erstarren lässt. Mahadi selbst hat einen Preis auf sie ausgesetzt - fünfzig Seelenmünzen! Auch wenn die Münzen schrecklicher Natur sind, werden wir sie brauchen. Allein schon für das Fahrzeug. Wir sollten dieser Medusa ihr Handwerk legen.