Die Medusa

Lesedauer ~ 10 Minuten · 26. Dezember 2020

Wir wollen also eine Medusa erledigen. Großartige Idee. Nach all den Statuen, die wir gesehen haben, sollten wir einen gewissen Eindruck von ihrer Macht haben. Man sagt, sie könne einen in wenigen Augenblicken versteinern. Also müssen wir wohl blind kämpfen, wenn wir ihr nicht in die Augen sehen wollen. Vielleicht gibt es aber doch ein paar Möglichkeiten. Spiegel. Viele Spiegel! Wir kaufen, was wir finden können. Kleine Spiegel für alle von uns, um uns umzusehen. Und einen großen Spiegel leihen wir bei der Barbierin Burney aus. Der Spiegel ist fast so groß wie ich. Wir sollen ihn nur nicht beschädigen, meint sie. Falls wir wiederkommen müssen wir alle Schäden ersetzen. Falls. Sie scheint sich da nicht so sicher. Ich auch nicht. Veil und Toni kaufen noch ein paar weitere Dinge. Auch Trinkschüsseln, damit wir unseren großen Wasservorrat im Nimmervollen Beutel besser schöpfen können.

War machine

Wir fahren los. Ausgeruht geht es schon viel besser, ohne Unfälle. Lulu tuschelt wieder mit dem Einhorn, Mondfarbe. Sie kommt zu Veil, fordert Aufmerksamkeit. Jemand soll etwas auf sie zaubern. Sie könne sich nun davor schützen. Veil zögert, aber es gelingt tatsächlich. Lulu bekommt einige Zauber ab, bleibt aber unbeschadet. Gut für Lulu! Unser Ziel ist in der Zwischenzeit der Kamm eines kleinen Hügels in der Nähe, mit ausreichend Abstand zum wandernden Emporium. Wir stellen den Halbling ab und folgen seinen Weisungen und denen der anderen Statuen. Kreuz und quer fahren wir durch die Landschaften Avernus’, hinaus aus der sandigen Umgebung. Umso länger wir den Statuen folgen, umso mehr ähnelt der Boden eher Asche und einige der Bäume wirken schwarz und verkohlt. Kein gutes Zeichen. Nebel zieht auf, ein schlechteres Zeichen. Auch Regen ist zu hören, doch zu sehen oder zu spüren ist er noch nicht. Die Sicht wird so schlecht, das Gelände so unwegsam, dass wir unser Fahrzeug anhalten und stehen lassen müssen. Die Statuen sind durch den dichten Nebel kaum noch zu erkennen, aber wir folgen dem Weg durch das unwegsame Gelände. Auf dem Weg machen wir Zeichen in die Asche, so dass wir zurückfinden. Falls wir zurück wollen und nicht unsererseits als Statuen den Weg irgendwohin deuten werden.

Es riecht komisch. Wie in der Schmiede meiner Eltern. Der Geruch von heißem Eisen liegt in der Luft. In der Nähe scheinen Blitze einzuschlagen. Der Geruch wird stärker. Dafür gibt es hier weniger Nebel. Fyron erklimmt einen Hügel, nachzusehen, was es mit den Blitzen auf sich hat. Sie treffen hauptsächlich einen Ort jenseits des Hügels. Immer den gleichen. Von hier unten ist nichts zu sehen, Fyron hilft uns hinauf und wir schleichen uns über den Kamm des Hügels heran. Unten steht eine riesige Medusa, inmitten vierer seltsamer Gerätschaften. Dort schlagen die meisten der Blitze ein. Die Medusa scheint in Flammen zu stehen, zu brennen. Es macht ihr nichts aus. Ich hatte nicht erwartet, dass sie so groß wäre. Wir brauchen einen Plan. Ansehen dürfen wir sie dazu nicht, sonst sind wir verloren. Das Feuer und die Hitze könnten uns helfen. Übergießen wir sie mit Wasser, können wir sie vielleicht einen Moment lang löschen. Vielleicht springt sie auch. Heißer Stein und kaltes Wasser - das könnte funktionieren. Auf jeden Fall wird eine Menge Dampf entstehen, niemand wird die Medusa mehr seinen können und sie uns nicht. Dann müssen wir sie nur noch irgendwie vernichten. Die Hälfte des Plans scheint geschmiedet. Das Zeichen wird vereinbart. Wir locken sie mit Geräuschen zum Eingang einer Höhle, der hier die Felswand ziert. Von oben gießt Ketis das Wasser auf sie herab. Dann erledigen wir sie. Das ist der Plan.

Medusa

Wir gehen in Position. Über uns schwebt eine Scheibe aus Licht, offenbar magisch. Muss mit den Gerätschaften am Boden zu tun haben. Ich habe keine Gelegenheit, mich damit näher zu beschäftigen. Ketis startet den Angriff ohne auf das Zeichen zu warten. Er gießt in einem großen Schwall all unser Wasser aus dem Nimmervollen Beutel auf die Medusa. So viel zu unseren neuen, praktischen Schöpfgefäßen. Zuerst hören wir einen Schrei, dann wird es auch hier sehr neblig, aus der Richtung der Medusa steigt schnell viel Dampf auf. Wir beharken die Medusa und ein paar ihrer Schergen mit aller Magie und Macht, die wir haben. Ziel ist immer die Mitte der Dampfwolke, aus der die größte Säule aufsteigt. Wir erledigen die Handlanger und schlagen die Medusa in die Flucht. Sie zieht sich in die Höhle zurück, zu der wir sie hätten locken wollen. Toni hilft mir den Hügel hinab. Er hat sich zum Kampf in einen gewaltigen Affen verwandelt, der gerade so noch in die Höhle hinein passt. Wir nehmen die Verfolgung auf.

Drin ist alles duster. Die Felswand hier ist glatt und nass. Das sanfte Licht von Lulu spiegelt sich in den Wänden, hin und wieder unterbrochen von riesigen Kratzspuren im Fels. Es wird etwas heller. Unter dem Wasser leuchten Pilze und Pflanzen, wenn wir näher kommen. Es gibt nur einen Weg - tiefer in die Höhle hinein. Wir folgen dem Weg, schwimmen durch das Wasser, kommen schlussendlich in eine große Halle. Von der Medusa ist nichts zu sehen - gut so. Dennoch sind wir hier, sie zu suchen. Sie kann nirgendwo anders hin geflohen sein. Mit großer Vorsicht durchkämmen wir die Winkel der Höhle, immer Bedacht eben nicht genau dort hinzusehen, wo die Medusa stecken könnte. Dann gehen plötzlich ein paar Strahlen an mir vorbei, wie Ketis sie sonst verschießt. Die Medusa verfehlt mich, im Wasser höre ich sie sich wieder hinter eine Felswand zurückziehen. Ich sehe nicht hin. Toni, noch immer ein gewaltiger Affe, stürzt tollkühn auf sie zu. Er ringt sie nieder, versucht sie festzuhalten, doch nicht bevor ihr Blick auf Veil trifft, die sofort zu Stein erstarrt. Wir kämpfen weiter gegen die Medusa, ehe noch mehr passiert. Lulu versucht, Veil zu retten. Sie strengt sich an, wirkt irgendeine Art von Magie und Veil bewegt sich wieder. Doch Lulu geht erschöpft zu Boden, regt sich nicht. Mit beschworenen Hämmern Torms, mächtiger Magie und geballten Affenfäusten halten wir die Medusa in Schach. Sie beginnt zu fliehen, stellt sich nicht unseren Angriffen. Fyron eilt ihr hinterher - und sieht im falschen Moment hin. Auch er erstarrt augenblicklich, hält inne und bleibt versteinert stehen. Toni hat seinen Zauber verloren, als er getroffen wurde und ist nun wieder eine Schildkröte, kein Affe. Es gelingt ihm aber, diesmal Ketis in einen ähnlichen Affen zu verwandeln, und auch der schlägt hart zu. Ich sehe noch immer nicht hin. Dadurch entgeht mir auch, wie nahe die Medusa gekommen ist. Mit ihren Haaren fängt sie mich, verheddert mich und hält mich so gefangen. Nun kann ich nicht entkommen. Ich wehre mich, beschwöre die heiligen Geister, mich zu schützen. Auch die anderen bringen sich wieder in Stellung - bis die Medusa die Höhle selbst gegen uns verwenden will. Riesige Säulen aus Fels und Stein schießen empor, versuchen uns an der Decke der Höhle zu zerquetschen. Das war ihr Fehler. Nun, da wir alle außer Reichweite und Gefahr sind, kann die entsteinerte Veil wieder Magie wirken und wirft einen ihrer Frostbälle auf sie. Die Medusa erstarrt, friert ein. Aus dem Schatten springt Veils Hund die erstarrte Medusa an, reißt große Löcher in sie. Mein magischer Hammer tut es ihm gleich, wir geben noch nicht auf. Aus dem Inneren der erstarrten Eissäule befreit sich ein Wesen - eine weitere, kleinere Medusa, nur mit mehr Armen. Doch nun, da wir alle bereit sind und sie zwischen uns gefangen ist, hat sie wenig Gelegenheit, noch mehr Schaden anzurichten. Wir machen ihr den Garaus - von ihr brauchen wir nur den Kopf. Der Rest bleibt zurück in der Höhle.

Lulu

Veil kümmert sich um die noch immer bewusstlose Lulu. Wir machen uns Sorgen. Auf dem Weg zurück zum Fahrzeug finden wir keine Statuen mehr. Nur die Reste des Kampfs vor der Höhle sind noch da. Zurück beim Fahrzeug bringen wir Lulu erstmal hinein, zum Einhorn Mondfarbe. Es sieht nicht gut aus - Lulus Aura ist verschwunden. Kein gutes Zeichen bei Wesen göttlichen Ursprungs. Das Einhorn opfert ein Stück seines Horns, um Lulu wieder zu erwecken. Geschwächt, doch lebendig, haben wir unsere Lulu wieder!