Low Lantern

Wir schreiben den 7. Flamerule 1494 · Lesedauer ~ 10 Minuten · 23. Mai 2020

Wir sind immer noch in diesem Kerker. Die Anhänger der toten Drei leisten hier ganze Arbeit - mit all dem Tod und dem Verderben. Kleine Kammern voller Zombies, Sarkophage voller Blut, Knochen und anderem Übelriechendem. Myrkul wäre stolz.

Wir finden eine Tiefling-Frau. Sie wäre als nächstes mit der Folter dran gewesen. Die Kultisten machen entweder Pause oder wurden von uns abgelenkt, oder erschlagen. So genau kann man das nun nicht mehr beurteilen, was zuerst kam. Sie arbeitet für die Oathoons. Sie wurde gefoltert, damit sie ihr Wissen über die Wachen und Sicherungsanlagen auf deren Anwesen preisgibt. Ein alter Mann hängt hier auch, schon tot, gefoltert. Er hat für die Jhassos gearbeitet, erzählt uns die Tiefling-Frau. Das sind schon eine ganze Menge Patriars oder deren Bedienstete, denen wir hier unten im Keller des Todes begegnen. Das kann unmöglich ein Zufall sein.

Wir stoßen auf weitere Kultisten. Ich weiß nicht, mit wie vielen mehr von denen wir es nun noch aufnehmen können. Sie setzen uns jedes Mal arg zu. Besonders Ketis scheint das dauernde Kämpfen nicht zu taugen. Er scheint mit seinem Stab zu sprechen. Das kann kein gutes Zeichen sein. Vielleicht hat es etwas mit dem Becken voll Blut zu tun, das wir gefunden haben. Toni stochert darin herum, lässt etwas vom Blut zu Eis gefrieren. Ketis…nähert sich dem. Bevor wir dem zu viel Aufmerksamkeit schenken können, müssen wir uns aber dem Kampfgeräuschen in der Nähe zuwenden, wir sind hier noch immer nicht sicher. Eine geheime Tür verbirgt einen größeren Raum. Hier kämpfen zwei. Ein Hüne von einem Mann, mit einer fast ebenso großen Keule, und ein weiterer der Kultisten mit einer goldenen Maske vor dem Gesicht. Wir greifen ein. Auf der Gegenseite der Kultisten. So viel haben wir an diesem Tag gelernt. Mit der Hilfe des Riesenhaften erledigen wir auch den letzten der Kultisten. Er trug aber keine Maske. Statt eines Gesichts trägt er eine feine Schicht Gold auf seinem blanken Schädel. Mir reicht es mit diesen Kultisten und dem Tod.

Mortlock Vanthampur

Mortlock

Der Riese ist Mortlock Vanthampur. Auch ein Patriar. Den Vanthampurs gehört das Badehaus, unter dem sich dieser Kerker des Todes so elegant zu verbergen vermag. Er hat einiges zu erzählen! Er war schon immer das schwarze Schaf in der Familie, nun haben ihn seine Brüder verraten, wollen ihn wohl tot sehen. Deswegen ist er hier unten gelandet. Seine Mutter bezahlt die Fist fürs Wegsehen, während sie allerhand schändliche Geschäfte treibt. Auch mit den Kultisten, die hier Leute entführen und schänden. Darunter verdächtig viele Patriars, aber bisher nur ein Vanthampur. Die Geschichte geht aber noch weiter. Die Matriarchin will Ulder Ravengards Platz als Großherzog einnehmen. Damit aber noch nicht genug, sie will auch noch Baldur’s Gate in das gleiche Schicksal stoßen wie Elturel, in die neun Höllen hinab ziehen! Sie hat ein besonderes Artefakt, einen Schild. Jemand wie Fyron soll es ihr verkauft haben. Ein Sasilas. Das ist ziemlich viel Vorhaben für nur eine Frau. Andererseits ist sie die Matriarchin der Vanthampurs.

Wir finden hier einige Beute. Offenbar haben wir auch den Schatz der Drachenkultisten gefunden. Kupfer, Silber, eine Krone… mehr als wir tragen können. Wir nehmen das teuerste davon mit und machen uns endlich zurück an die Oberfläche. Mortlock hilft uns tragen. Schließlich haben wir ihm geholfen. Weit kommen wir damit aber nicht. Oben erwartet uns eine Abordnung der Drachenkultisten, mit mächtigen Magiern. Sie nötigen uns, die Schätze herauszugeben. Wir haben keine Wahl. Selbst ohne die Erschöpfung eines Nachmittags im Todeskerker wären sie uns schon allein zahlenmäßig überlegen. Sie verschwinden mit dem Schatz.

Mortlock braucht unseren Schutz. Wir bieten ihm an, zunächst in unserem Unterschlupf Zuflucht zu suchen, bis wir ihn aus der Stadt schaffen können. Zuerst müssen wir aber loswerden, was auch immer uns verfolgt. Ein rätselhaftes Flattern. Nicht zu nahe, gerade so dass man es noch hören kann. Mortlock erzählt, dass sein Bruder Teufelchen beschäftigt, die für ihn spionieren. Wir machen uns dennoch auf, zumindest ein paar Meter zwischen uns und den Kerker des Todes bringen. Aus der Stadt hinaus können wir nicht. Die Tore sind verschlossen und auf beiden Seiten drängen sich die Bürger. Einige wollen hinein, einige wollen hinaus, es führt kein Weg in die Outer City. Die Fist drängt von beiden Seiten zurück.

Tankard of Plenty

Alles Gute

Doch nicht alles ist schlecht heute. Abseits der Tore steht Adrian mit einem Luftballon und meinen Eltern! Sie haben an meinen Geburtstag gedacht. Natürlich machen sie sich auch Sorgen. Immerhin ist auch gerade die Hölle los. Die Fist geht nicht gerade zimperlich vor, wenn es gilt, Menschenmassen zurückzudrängen. Doch für mich haben sie einiges dabei, nebst guten Wünschen! Von meinem Vater ein Bierkrug, wie mein Großvater ihn hatte. Leicht magisch, immer etwas Bier darin, wenn man es verlangt. Von meiner Mutter ein paar raffinierte Schlüssel. Und einen Rhabarberkuchen! So wie ich ihn mag. Nicht zu süß. Mutti ist die beste!

Gefährlich ist es hier aber noch immer, die Nacht bricht auch herein. Adrian bringt meine Eltern zurück in die Werkstatt. Zurück nach Hause kommen sie heute nicht mehr. Adrian. Auf ihn kann man sich verlassen, eine treue Seele. Einer der wenigen, der noch nicht von der Fist korrumpiert wurde.

Taverne Low Lantern

Wir teilen uns auf, um die Verfolger abzuschütteln. Die einen bringen Mortlock in unser Versteck, bis uns etwas Besseres einfällt. Auf dem Wasserweg könnte ihnen das unbemerkt gelingen, wenn die Gruppe kleiner ist. Wir anderen sorgen für die Ablenkung und gehen woanders hin. In eine Taverne, wo wir die Nacht verbringen. Die Ruhe wird uns guttun, die Erholung haben wir bitter nötig.

Am nächsten Morgen senden wir eine Botschaft in das Versteck: wo wir verblieben sind, dass wir noch immer verfolgt wurden. Wir sollen uns am Mittag in der Elfsong Tavern treffen, lautet die Antwort. Dort gruppieren wir uns neu, beraten uns. Die nächsten Hinweise werden wir wohl in der Low Lantern finden. Mortlocks Bruder Amrik soll dort anzutreffen sein. Das ist wohl das beste, was wir zur Zeit an Spur haben, wie wir die Kultisten auftreiben können. So lauten unsere Befehle.

Noch so eine Taverne. Eigentlich ein Schiff, in dessen Rumpf sich eine Taverne befindet. Nicht so schlimm wie die Elfsong Tavern, also heute sicher ein Aufstieg. Aber auch nicht die erste, in der ich mich wohl fühlen würde. Die Gäste sind hier nicht weniger erlesen. Vielleicht herrscht etwas weniger Mord und Totschlag. Das gibt aber auch uns etwas weniger Freiheiten. Wir kommen mit einigen der Gäste ins Gespräch. Ein Kamerad der Fist erzählt mir, auf Reya sei ein Kopfgeld ausgesetzt, seit sie aus der Gefangenschaft geflohen sei. Interessant. Vielleicht wird das doch kein Prestige-Fall für unseren Anwalt Flynder. Zu schade. Der hohe Aufseher Kreeg soll gesehen worden sein. Entführt von den Vanthampurs. Interessant.

Reya betritt die Taverne, zielstrebig. An den Gerüchten ihrer Flucht scheint also etwas dran zu sein. Toni beeindruckt weiter die Taverne mit seiner Trinkfestigkeit, ich bleibe in das Gespräch mit dem Soldaten verwickelt. Die anderen gehen nach unten, folgen Reya und suchen Amrik. Mein Gesprächspartner weiß nichts von Kultisten. Ich verabschiede mich, widme mich noch Toni. So beeindruckend seine Standhaftigkeit auch ist, so wenig kann es uns helfen, wenn er unter der Theke einschläft oder zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Amrik Vanthampur

Einige Zeit und etwas Beifall des Schankraums später kommen auch wir nach unten. Die anderen sitzen an einem Tisch mit Reya. Hinten im Raum sitzt Amrik. Von der einen sind wir überrascht, wegen des anderen sind wir hier. Für mich ist nichts mehr frei. Schwierig. Mir macht es nichts aus, außen vor zu sein, doch hier sein zu müssen und nicht dazuzugehören - das schon. Ein Bisschen. Kaum der Rede wert. Eigentlich ist es egal. Ist halt nur langweilig. Ich sehe, wie Toni den Weg zu Amrik Vanthampur findet und mit ihm ins Gespräch kommt. Ich setze mich etwas abseits davon hin, aber was sie sprechen vermag ich nicht zu hören. Ich sehe nur, dass hier doch noch etwas anderes angeboten wird als das Brackwasser. Für Toni offenbar sogar mit einer besonderen Beimischung, die der Kenku-Schwankwirt heimlich hinein kippt. Ich finde keinen Moment, Toni zu warnen. Amrik ist am Reden, da kann ich ihn nicht unterbrechen. Als Toni aber ansetzt zu trinken, hat er auch schon ausgetrunken, bevor ich ihm eine Warnung signalisieren kann. Nichts passiert. Toni scheint heute wahrlich trinkfest. Er kommt zu uns zurück, scheint aber nicht weit gekommen zu sein. Ausfragen wäre ja auch zu einfach gewesen.

Wir verlassen das Schiff. Wir brauchen einen Plan. Verfolgen wir Amrik.