Das Badehaus

Wir schreiben den 7. Flamerule 1494 · Lesedauer ~ 10 Minuten · 16. Mai 2020

Heute ist mein Geburtstag - schon wieder. Ich verrate meinen Geburtstag niemandem. Diese Leute mit denen ich unterwegs bin - sie scheinen in Ordnung. Unsere Beziehung ist aber eher professioneller Natur. Zur Feier des Tages schlafe ich aus. Heute ist der eine Tag im Jahr, an dem ich mir das erlaube. Etwas ausschlafen. Ein paar kleine Dinge erledigen. Vielleicht etwas schönes unternehmen. Etwas für mich tun. Keine großen Pläne machen.

Ich stehe auf und die meisten sind unterwegs, ihren eigenen Angelegenheiten nachgehen. Ein ausgedehntes Frühstück scheint mir angemessen. Der Elf ist noch da und trainiert mit seinem Schwert. Er scheint es im Griff zu haben; zerteilt mir mein Frühstücksei. Vorteilhaft, dass ich es hartgekocht bevorzuge. Was mir fehlt ist ein Kuchen, anlässlich des besonderen Tages. Damit hielte sich die Angelegenheit mit dem Geburtstag aber nur schwer geheim, wenn schon die Eier für mich zerteilt werden. Vielleicht finde ich ja noch etwas zu Naschen.

Flynder & Söhne - Rettung für Reya

Fyron und ich brechen auf, Rechtsbeistand suchen. Normalerweise ist so einer eher auf der anderen Seite meiner Interessen. Unschuldige werden normalerweise ja auch nicht verhaftet. Hier liegt aber wirklich ein Irrtum vor, eine Ungerechtigkeit. Wir brauchen jemanden, der Reya aus dem Gefängnis holt. Ich weiß auch schon wen und ich weiß auch schon, wie wir ihn unserem Anliegen etwas geneigter machen könnten. Wir machen uns auf dem Weg zu Flynder, von Flynder & Söhne. Ein Halbling. Nicht das erste, woran man denkt, wenn man einen Rechtsbeistand sucht. Vielleicht aber genau das Richtige für unser spezielles Anliegen. Für gewöhnlich schlägt er sich mit kleinen Kutschenunfällen herum. Taschendiebe trauen ihm, Erbschleicher, Betrüger. Diejenigen, die über kurz oder lang auch wieder frei kommen. Auch diejenigen, die sich von der Fist ungerecht behandelt fühlen. Die Fist behandelt niemanden wirklich ungerecht. Manche nur eben direkt mit dem Schwert, die anderen können noch klagen. Flynder ist uns deswegen ein Dorn im Zeh, er geht bei uns quasi ein und aus. Sicher haben wir den einen oder anderen schon freigelassen, nur um Flynder nicht weiter sehen zu müssen. Das könnte genau der Richtige sein für unser Anliegen. Um die Unterredung mit ihm etwas leichter verdaulich zu machen und nicht zu viel reden zu müssen, bereiten wir uns vor. Wir machen uns auf den Weg zum Feinbäcker in der Drury Lane. Ich glaube, Flynder liebt bestimmt Schmalzkringel. Schließlich ist er ein Halbling. Sicherlich hilft das etwas. Wir kaufen die großen, roten, etwas bitteren, mit wenig Zucker. Das sind meine liebsten! Und heute habe ich sie mir verdient.

Schmalzkringel

Seltsam ist dabei nur, dass die Harbreeze Bakery wieder geöffnet haben soll. Das macht uns zumindest ein Aushang glauben, der allernorts an den Mauern hängt. Hoffentlich unter neuer Verwaltung. Die alte Verwaltung hat schließlich die Befragung durch meine Kompagnons nicht überstanden. Irgendwas geht da nicht mit rechten Dingen zu. Wir sollten der Bäckerei mal einen Besuch abstatten, allein um sicher zu gehen, dass wir uns nicht ständig umschauen müssen, dass niemand mit einem Messer in unseren Rücken zu stechen versucht.

Wir schaffen es, den Anwalt von unserem Anliegen zu überzeugen. Er weiß die Kringel nicht so recht zu schätzen. Ein Banause, aber so bleiben mehr für mich. Glücklicherweise finden wir aber schnell seine andere Schwachstelle. Ihm liegt viel an seinem Ansehen. Ein Fall wie derjenige der aus Willkür von der harten Fist eingesperrten Streiterin für das Gerechte könnte ihn berühmt machen, ihm viele Geschäfte in der Zukunft einbringen. Vielleicht wäre das für ihn sogar der erste Fall, den er auch tatsächlich gewinnt. Zumindest eingestellt und freigelassen wäre aber für den Anfang schon gut. Das ist sonst eher seine Spezialität. Schnell wird es nicht gehen, aber das ist vermutlich noch die beste Möglichkeit, Reya wieder frei zu bekommen. Wir müssen abwarten. Solange nimmt sich unser wackerer Streiter für das Gesetz des Anliegens an. Natürlich gegen eine Bezahlung. Und das nächste mal Kringel mit mehr Zucker. Banause.

Das Badehaus

Unser nächster Weg führt uns ins Badehaus. Wir treffen die anderen in unserem Unterschlupf und machen uns gemeinsam auf. Natürlich in höchst offizieller Mission. Wir folgen den Hinweisen auf die Kultisten dort. Auf dem Weg durch die Stadt begegnen wir schon verdächtigen Personen. Wir versuchen, sie zu verfolgen. Besonders subtil sind sie nicht in ihrem Auftreten, mit ihren Roben. Wir in der Verfolgung leider auch nicht, mit unserer Tollpatschigkeit. Subtil wie ein Oger. Wir verlieren sie. Der Versuch war gut, aber wir haben immer noch unsere Spur im Badehaus.

Dort angekommen müssen wir uns möglichst unauffällig verhalten. Wir mischen uns also unter die anderen Badegäste. Die Tarnung gelingt uns. Um besonders glaubhaft zu wirken, lasse ich mir den Bart stutzen, rein dienstlich. Um nicht aufzufliegen, bestelle ich auch das Bartpflegeöl Olive von Olibert. Die Fist kauft nur bei Olibert. Bärte müssen den Vorschriften für Uniformen und Auftreten entsprechen, man repräsentiert schließlich. Die Bartmassage ist angenehm! Mit den heißen Handtüchern, dem duftenden Öl,… angemessen. Dienstlich. Als die Barbierin fertig ist, kommen wir noch kurz ins Gespräch. Die Geschäfte laufen ganz gut. Sie machen das hier schon eine Weile. Ich spiele den Ortsunkundigen. Das Gebäude wirke doch noch etwas größer von außen, frage ich. Ob es denn noch mehr Angebote gebe, die wir nur noch nicht gesehen hätten. Sie verneint, blickt bei der Frage aber nervös durch den Raum. Noch etwas Palaver und sie verlässt den Raum. Das ist meine Gelegenheit, die Wände genauer anzusehen. Alle Zwerge verstehen etwas von Stein und Wänden, aber mit den verratenden Blicken der Barbierin muss man kein Zwerg sein, um die geheime Tür zu finden. Dahinter geht es Treppen hinab. Ich schließe die Tür schnell wieder und verhalte mich als wäre nichts gewesen. Ich muss den anderen Bescheid geben.

Zuerst ein Bad nehmen. Der Tarnung wegen, außerdem habe ich es bezahlt und es heute auch verdient. Herzlichen Glückwunsch. Ich sitze in einem Becken mit einer etwas größeren Firbolg-Dame. Wir kommen ins Gespräch, aus Höflichkeit. Sie kommt öfter hier her, kennt die Stammkunden. Ich erkundige mich nach Kultisten. Sie kennt hier keine, ist aber wegen der vielen Morde argwöhnisch. Aus ihr ist nicht viel heraus zu bekommen.

Ich erzähle der Gruppe, was ich herausgefunden habe. Wir überlegen kurz, subtil und verschlagen hinab zu schleichen. Die beiden Angestellten des Badehauses sind aber sicher keine große Bedrohung für uns, also gehen wir einfach hinab, an ihnen vorbei. Wir werden nicht aufgehalten. Schon an der Treppe riecht es nach Abwasser.

Treppe nach unten

Unter dem Badehaus

Unten ist es weniger angenehm als oben. Kalt, dunkel, Bildnisse von Bane, Myrkul und Bhaal in die Türen geschnitzt, feucht, Reste von Menschenopfern, nasser Boden… kein Vergleich zu den Annehmlichkeiten des Badehauses oben drüber. Nur eine kurze Treppe trennt das Idyll von Mord und Tod. Wir finden Leichen, offenbar wurden sie geschändet und ausgeweidet. Wir hören Schreie. In der Nähe wird jemand gefoltert. Vorsichtig folgen wir den Schreien in Richtung der Gefahr. Bald finden wir den Gefolterten und die Folterknechte selbst. Vier Geharnischte und später auch noch zwei magisch Begabte der Kultisten stellen wir. Wir entscheiden die Kämpfe für uns und befreien den Elfen. Er ist ein Patriar, Klim Jhasso. Seine Familie ist reich, er verspricht uns allerhand, wenn wir ihn hier raus bringen. Wir bringen ihn in Sicherheit. Ob er sich an uns erinnern wird, wenn wir auf seine Versprechungen zurückkommen, ist nicht klar. Hier unten können wir ihn nicht gebrauchen. Zu gefährlich.

Brandgefährlich. Nachdem wir die Folterknechte erledigt haben, erforschen wir den Rest des Kellers. Hinter einer der Türen lauert noch ein Kultist. Fast haben wir ihn schon besiegt, zückt er noch eine Spruchrolle und liest davon. Plötzlich wird alles heiß und kurz darauf dunkel. Das war zu viel. Der Feuerball streckt mich nieder. Als ich wieder zu mir komme, helfe ich noch Fyron, den es ebenfalls erwischt zu haben scheint. Die anderen sprechen über Bibliotheken. Bibliotheken. Ich verstehe nichts. Wir ziehen uns hier zurück, verschanzen uns in einem der Räume und machen eine kurze Rast. Veil kann ein paar von uns in einen kurzen Schlaf schicken, aus dem wir sehr erholt wieder aufwachen. Wir forschen weiter durch den Keller. Hinter jeder Ecke lauert hier die Gefahr. Und das an meinem Geburtstag.