Der Dämonenschreck

Lesedauer ~ 5 Minuten · 28. November 2020

Ich schlafe unruhig. Seltsame Träume plagen mich wieder, seit wir in Avernus sind. Hier ist so viel anders, als ich es gewohnt bin. Ich bevorzuge klar Gewohnheit. Ordnung. Recht. Es muss früh am Morgen sein, als Fyron uns weckt. Er hört Stimmen, Barnabas hört Stimmen. Die stimmen wollen die Schildkröte sehen. Sie soll herauskommen. Wer das wissen wolle, fragen wir aus dem Schutz des Fahrzeugs hinaus. Keine Antwort von draußen, nur die erneute Aufforderung. Die Schildkröte soll herauskommen, sich der Probe Tiamats stellen, sich würdig erweisen.

Abishai

Toni geht in der Tat nach draußen. Fyron und Veil gehen mit nach draußen, nachsehen. Ketis und ich bleiben auf dem Fahrzeug, machen es bereit zu Gefecht oder Flucht - je nachdem, wie es weitergeht. Draußen sind Teufel. Sie wiederholen ihre Forderung, dass Toni sich in einer Prüfung Tiamats würdig erweise. Wir anderen sollen nicht eingreifen - damit würde die Herausforderung nur schwieriger. Fyron weicht nicht von Tonis Seite. Veil schließt zu den beiden auf. Ketis bemannt die Harpune. Ich mache den Wagen bereit, als einer der Teufel einen Zauber spricht. Draußen werden unsere Leute durch einen Würfel von Energie eingeschlossen. Man sieht hindurch, doch die Kanten wirken fest, wie das bei Magie häufig der Fall ist. Drin beginnt ein Kampf, jeder findet einen Teufel als Gegner. Veil ruft um Hilfe - zu niemandem bestimmten. Sie ist nicht einmal in besonders außergewöhnlicher Gefahr, vom Kampf abgesehen. Ihr Ruf wird erhört, von einem Hund - oder Wolf. Dieses riesige Biest ist bereits auf dem Friedhof erschienen, an ihrer Seite zu kämpfen. Spannend. Hilfreich. Fyron wird riesig, wohl ein Zauber von Toni. Ketis schießt mit der Harpune auf einen der Teufel. Das Geschoss fliegt mit einem dumpfen Geräusch los. So eine Harpune könnte einen Bullen in seinem Lauf aufhalten! Doch durch den Würfel gelangt sie nicht, bleibt in der Wand stecken. Magie. Der Magie nicht genug - plötzlich wird Ketis ebenfalls in das Innere des Würfels befördert, erscheint dort ebenso plötzlich wie ein weiterer Teufel. Wohl sein persönlicher Feind. In der Zwischenzeit mache ich mich auf den Weg um den Würfel herum. Einer der Teufel steht dort noch - der erste, der Toni zur Prüfung herausgefordert hat, der den Zauber mit dem Würfel gesprochen hat. Den knöpfe ich mir vor! Das ist mein Feind! Anders als seine Verbündeten im Würfel stellt er sich nicht dem Kampf, er flieht, fliegt hinfort. Drin geht solange der Kampf weiter. Der riesige Fyron hat einen der Teufel auf die Spitze der Harpune aufgespießt. Wenn ich nun mit hinein gehe, wartet dort wohl auch mein eigener Feind auf mich, der besiegt werden will. Ich kann meine Freunde jedoch nicht im Stich lassen, muss an ihrer Seite stehen. Was ist ein Feind mehr, wenn wir zusammenhalten? Zusammen machen wir die Teufel nieder, erweisen uns damit sicherlich als würdig!

Eine Stimme ertönt wieder - wir sind mächtig, doch würdig sind wir noch nicht! Uns stehen vermutlich noch weitere Prüfungen bevor. Fürs Erste sind wir damit aber fertig. Wir machen uns zurück zu unserem Fahrzeug. Ein paar Fragen sind aber noch offen. Wo Fyrons Blut auf den Boden von Avernus gefallen ist, sprießen Blumen und Gras. Dafür hat er keine Erklärung. Das Feywild. Vielleicht. Er pflückt eine der Blumen. Veils Hund ist wieder verschwunden, als er nicht mehr gebraucht wurde. Der kommt von ihrer Urgroßmutter, die auf irgendeiner Ebene der Abyss gefangen ist. Wir scheinen alle jemanden zu haben, den wir um Beistand anrufen können.

Wir fahren weiter. Lulu hält Ausschau von oben, leitet uns zum Dämonenschreck. Ein riesiges Gebilde. Aus der Nähe sieht es nochmal größer aus, als man in der Ferne erahnen würde. Oben schwebt eine Sphäre mit hellem Licht. Die Dämonen werden wie gebannt von diesem Licht angezogen - und sogleich vernichtet, kommen sie ihm zu nahe. Gefasst wird die Sphäre von einer Art Turm, gehalten durch Streben wie von dunklem Glas. Die Höhe ist nicht zu unterschätzen. Selbst die Größten unter uns kommen bei weitem nicht an die Sphäre, sie zu zerstören. Nun sind wir hier und wissen nicht, wie wir unseren Auftrag erfüllen sollen. Wir fragen nach. Wir fragen Liashandra, mit dem Ring, den sie uns mitgegeben hat. Sie weiß auch nicht - ob wir es schon mit Draufhauen versucht haben? So dämlich der Vorschlag ist - probiert haben wir das bisher nur zaghaft. Also schlagen wir koordiniert zu, und kräftig. Fyron mit meinem Hammer auf der einen Seite, Veil mit ihrem Stab und ich mit meinem Streitkolben auf der anderen Seite. Ein paar kräftige Hiebe, und das Glas beginnt zu splittern.

Plötzlich ein stechender Schmerz - eine Art Eulenschnabel hat mich gebissen. Es riecht wieder nach Verwesung und Tod - wir sind von Skeletten und untoten Ungeheuern überrascht worden! Mit Torms Hilfe und noch mehr kräftigen Hieben vernichten wir die untote Horde. Zurück zum Glas - wir schlagen weiter zu, bis es bricht. Heraus strömt eine dunkle, dicke Flüssigkeit. Der Geschmack von Eisen liegt in der Luft, wie von Blut. Die Sphäre gleitet zu Boden - wie ein Tuch, das fallen gelassen wird.

Einhorn

Zum Vorschein kommt ein Einhorn. Das Einhorn scheint darin eingesperrt gewesen zu sein, mit seiner Magie die Dämonen zu vernichten. Wir wollen das Einhorn, ein gutes Wesen, retten, es schützen. Toni schlägt vor, es einfach zu töten. Dann kehre es auf seine eigene Ebene zurück und sei dort sicher und bequem aufgehoben. Das Einhorn und ich sehen das nicht so einfach. Töten steht nicht auf dem Plan für das Einhorn. Ehe wir viel darüber diskutieren können, bebt die Erde. Die Säulen, auf denen die Sphäre mit dem Einhorn geruht hat, die wir demoliert haben, erheben sich, während der Boden nachgibt und ein riesiges Monster hoch steigt.

Sire of Insanity

Wir sind noch immer erschöpft von den beiden anderen Kämpfen, die wir zuletzt bestreiten mussten. Wir ergreifen die Flucht, zurück zum Fahrzeug. Ketis schürt etwas Wind in unserem Rücken. So gelingt uns fast, unbeschadet die Flucht, fast sind wir zurück beim Fahrzeug. Doch dann - plötzlich Stimmen. Oder nicht? Eigentlich stumm, aber laut. Was jetzt? Das macht doch gar keinen Sinn! Das Leben soll bitte mehr Sinn machen. Sehr verwirrend.