Bibliotheksabenteuer

Wir schreiben den 26. Flamerule 1494 · Lesedauer ~ 8 Minuten · 8. Juli 2020

Der neue Tag bricht an. Gestern waren wir schon viel in der Bibliothek. Heute steht das auch wieder auf dem Plan. Bisher waren die Bücher nicht sehr gefährlich. Eine willkommene Abwechslung von den sonstigen Abenteuern, die wir seit Beginn der Reisen so erleben. Ich habe das Gefühl, das wird aber nicht so bleiben. Heute wollen wir einen Geist jagen.

Spuk in der Bibliothek

Gale wartet schon auf uns. Er führt uns durch die Gassen, durch verwinkelte Gänge, Treppen hinauf, Treppen wieder hinab. Ich bekomme den Eindruck, auch er hat sich verlaufen. Doch er wirkt zuversichtlich. Zielstrebig. Wir gehen die letzte Treppe hinab, durch ein tiefes Treppenhaus. Die Bücher hier handeln von der Abyss und vom Shadowfell. In der Ferne Schreie. Wir kommen unserem Ziel näher. Gale führt uns zu einer Tür, schließt sie hinter uns und hält Wache. Wir sind da.

Überall hier liegen heraus gerissene Buchseiten. Sehr sorgfältig heraus gerissene Buchseiten, beschädigt sind sie nicht. Wir heben ein paar auf. Die meisten handeln vom Shadowfell, oder eben von der Abyss. Leichter zu verstehen wären sie allerdings, fehlten nicht einige Stellen. Namen und Details scheinen wie aus den Seiten getilgt.

Spirit Troll

Tiefer im Lesesaal wütet ein Troll. “Muss vergessen!” brüllt er durch die Hallen. Er scheint uns nicht zu beachten. Auch als Veil seinen Namen ruft. “Jumoke”. Wieso kennt Veil den Namen des Trolls? Sie scheint sich dabei sehr sicher zu sein. Der Trollt reagiert noch immer nicht. Er nimmt sich ein neues Buch, blättert durch die Seiten, als suche er etwas, brüllt und murmelt dazwischen weiter. Wir nähern uns, vorsichtig. Statuen hinter dem Troll, fast an den von Buchregalen gefüllten Wänden der Bibliothek, leuchten etwas. Umso näher wir denen kommen, umso mehr hören wir das Klopfen zweier Herzen. Das gehört sicherlich nicht zur gebräuchlichen Einrichtung der Bibliothek hier. Sicherlich haben die Statuen etwas mit dem wütenden und verwirrten Troll zu tun. Dem Troll scheint nicht zu gefallen, hebt man ein paar Bücher auf. Das nimmt der Troll wahr. Er wird wütend, greift an. Mit mächtigen Klauen und Zähnen setzt er uns zu, doch wir können gegen ihn nichts ausrichten. Klingen prallen ab, Zauber gehen durch ihn hindurch – doch mit jedem Angriff regen sich die Statuen. Als schützten sie ihn. Veil versucht weiter, den Troll in Schach zu halten. Fyron zerschlägt indes die eine Statue. Es wird dunkler, sie leuchtet nicht mehr und es ist nur noch ein Herzschlag zu hören. Der Troll nimmt davon keine Notiz. Er wütet weiter durch die Bücher, wirbelt Seiten durcheinander, ruft nach Vergessen. Ich zerschlage die zweite Statue. Auch sie hört auf zu leuchten, der Herzschlag verstummt und der Troll ist besiegt. Die Blätter gleiten langsam zu Boden.

Der Spuk hat ein Ende. Veil ruft Gale herbei. Wir wollen wissen, woher Veil der Troll bekannt war, mit Namen. Nicht nur Veil kennt den Troll, auch Gale scheint er bestens bekannt. Veil und Gale haben gemeinsam in einem Dorf gelebt, bis es von Orks angegriffen wurde. Veil hat überlebt, doch Gale war verschwunden. Er wurde entführt. Der Troll war einer der Anführer des Angriffs; er musste schlimme Dinge für ihn erledigen, während seiner Gefangenschaft.

Die Statuen – und der Geistertroll natürlich – gehören hier wohl nicht zur regulären Einrichtung. Auch sollten die Bücher nicht zerfleddert durcheinander liegen, ihre Seiten herausgerissen oder ihr Inhalt verschwinden. Gerade, dass einige Namen aus den Büchern fehlen, ist beunruhigend. Hier muss erst mal aufgeräumt werden. Das klingt aber mehr nach einer Aufgabe für einen Wissenden als für Suchende. Wir lassen Gale hier zurück, sicher vor dem Geistertroll und den Statuen, aber mit viel Arbeit vor sich.

Besprechungen

Gegen Abend werden wir dann zum Gespräch gerufen. Nicht wegen der Unordnung in der Bibliothekskammer, wegen der Angriffe in Candlekeep. Wird werden von Bruder Dougat im Turm Exaltation begrüßt. Sylvira ist schon da. Vor ihr liegt die Rätselbox, samt des Vertrags. Nach und nach treffen noch mehr Leute ein. Alle sicherlich mit hohem Ansehen, erste Leserin hiervon oder davon. Auch die nette alte Dame von neulich ist dabei, die mir den Weg gewiesen hat. Bei ihr handelt es sich um die erste Leserin von Candlekeep. Die anderen Teilnehmer des hier tagenden Rats scheinen ebenso wichtig wie illuster.

Wir werden sehr detailliert befragt. Wie viele Kultisten es in Baldur’s Gate gebe. Wieso wir Madame Vanthampur angegriffen hätten. Was wir von den Teufeln zu berichten haben. Ob wir Fyrons Schild schon verwendet haben. Was Veil persönlich vom Schicksal Elturels halte. Wieso wir unser Leben riskiert hätten, diese Informationen und Gefahren nach Candlekeep zu bringen. Sonst erkenne ich gern den Sinn einer guten Befragung und eines Berichts an die Vorgesetzten. Doch das setzt auch immer Vertrauen voraus. Das hier wirkt mehr wie ein Verhör und eine Aufforderung zur Rechtfertigung. Darüber hinaus sind wir auch nicht hier, uns in den Dienst der Obrigkeit von Candlekeep zu stellen. Die Flaming Fist hat uns schon im Stich gelassen, wir sind auf uns gestellt. Wir sind hier, Informationen über die Rätselbox zu erhalten. Von Sylvira. Von diesem Verhör und der Erlaubnis, dem Unheil von Elturel und Baldur’s Gate Einhalt zu gebieten, haben wir nichts. Wir tun unseren Unmut kund; die erste Leserin gebietet der Befragung Einhalt.

Die Unterhaltung trägt danach wieder mehr Früchte. Wir sprechen über Elturel. Dessen Bewohner sind vielleicht noch am Leben und nun fürchterlichen Qualen ausgesetzt, in Avernus. Zariel hat sich Elturel mitsamt seinen Einwohnern geholt, wie der Pakt mit Thavius Kreeg es ihr erlaubt. Auch Baldur’s Gate ist nur fürs Erste sicher. Um dem Treiben Einhalt zu gebieten, müssen wir selbst nach Avernus hinabsteigen. Soweit sind wir uns einig. Sylvira schlägt vor, den Vertrag zwischen Thavius und Zariel zu annullieren. Dazu müsse der Companion zerstört werden. So könne man Elturel wieder befreien.

Man will auch noch über Fyrons Schild sprechen. Sie wollen es uns nicht einmal abnehmen. Stattdessen zitieren sie aus einer Prophezeiung Alaundos. Die Träger des versteckten Herrschers würden in die Hölle fahren und die Stadt aus den Fängen des gefallenen Engels befreien. Beim versteckten Herrscher handle es sich um Fyrons Schild und was darin eingesperrt ist. Die Träger wären wir. Der gefallene Engel wäre Zariel. Die Beweislage ist nicht ganz wasserdicht. Für eine Prophezeiung ist das allerdings wohl die normale Deutlichkeit.

Man will uns doch Unterstützung gewähren. Eine magische Karte von Avernus, magische Fesseln, ein Boot. Und Ratschläge. Die sind hier günstig, davon gibt es hier viele. Wir brauchen ein Portal nach Avernus. Die Rede ist von einem Portal, das meisterhaft versteckt wurde. Doch selbst in Candlekeep scheint niemand zu wissen, wo es sich befindet. Niemand außer Miirym. Als der Name genannt wird, werden die sonst recht redseligen Ratsmitglieder allesamt ruhig.

Bevor wir unser näher erkundigen können, wer oder was ein Miirym sei, dringt jedoch dichter Rauch aus der Rätselbox auf dem Tisch. Aus dem Rauch dringt ein langes, schwarzes Horn. Es riecht nach Schwefel, giftigen Gasen und Lava. Es erscheinen drei Teufel. Die Weisen ziehen Zauberstäbe, wir zücken die Waffen.

Gehörnter Teufel